Die Arbeit mit dem inneren Kind – sie wird oft romantisiert, überstürzt, missverstanden.
Wir hören, wir sollen es trösten. Ihm begegnen. Es in den Arm nehmen. Doch was, wenn das, was wir da treffen, gar nicht unser wahres inneres Kind ist?
Was, wenn wir nur einem Wächter begegnen?
Ich habe viele dieser Wächter in mir getroffen.
Wütende, ängstliche, traurige.
Sie waren Teile meiner Geschichte.
Sie haben gelitten – und sie haben gelernt.
Aber sie waren nicht mein innerstes Kind.
Sie waren Schutz.
Erlerntes.
Überlebensstrategien.
Sie wollten mich vor etwas bewahren, das sie selbst nie verstanden haben:
Vor der Wahrheit.
Denn die Wahrheit ist:
Das wahre innere Kind kommt nicht, wenn du es willst.
Es kommt, wenn du bereit bist.
Nicht dann, wenn du denkst, du wärst es. Sondern dann, wenn du wirklich Raum gemacht hast.
Raum für das, was weh tut.
Raum für das, was leise war.
Raum für das, was du weggedrückt hast, weil du funktionieren musstest.
Das wahre innere Kind ist nicht traurig.
Nicht wütend.
Nicht panisch.
Du wirst es wissen, wenn du ihm begegnest.
Du wirst es spüren.
Und du wirst lächeln. Nicht mit dem Mund. Sondern mit dem ganzen Körper.
All die anderen inneren Stimmen – die Wächter – sind nicht deine Feinde.
Sie sind auch du.
Sie haben dich begleitet.
Und sie haben dir geholfen, bis hierher zu kommen.
Aber sie sind nicht dein Ursprung.
Heute glaube ich:
Nicht jedes Gefühl ist das innere Kind.
Nicht jeder Schmerz führt zu ihm.
Aber wenn du aufhörst, dich zu drängen – dann findet es dich.
Ganz leise.
Ganz sicher.
Und dann… wirst du verstehen.
Reflexionsfragen
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Wer spricht in dir – dein inneres Kind oder ein Wächter?
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In welchen Momenten fühlst du tiefe Ruhe – ohne Grund?
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Was könnte passieren, wenn du deinen Gedanken nicht mehr blind glaubst?
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Welche Anteile in dir möchtest du ehren, auch wenn sie nicht „das wahre Kind“ sind?
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